Der nächste Tag..

Nach einer recht ruhigen Nacht machten wir uns auf den Weg nach Leipzig. Tobi war wieder an meiner Seite. Irgendwie ging es uns an diesem Tag etwas besser. Wir meldeten uns nun in der Arztpraxis an und alles ging recht schnell. Wir wurden in ein Zimmer gebeten, mit einem großen Bildschirm. Die Atmosphäre war sehr einladend. Wieder wurde ein Ultraschall durchgeführt. Dieses Mal sahen wir unseren Jungen das erste Mal bewusst, so klar und deutlich sah er uns an. Es war überwältigend. Wieder liefen mir die Tränen, nur dieses Mal, weil er einfach wunderschön ist. Die Ärztin liest sich den Bericht von der Feindiagnostik durch und untersucht gründlich. Herz i.o, Schädel i.o, alles i.o.. Bilderbuch von Größe und Gewicht her. Doch plötzlich stockte sie beim sprechen, schaute den Bericht an, schaute auf den Bildschirm und dann wieder auf den Bericht. Wieder kam diese Panik in mir auf. Sie sagte leise vor sich hin, wieso denn im Bericht steht, dass der linke Arm eine Fehlbildung hat..es ist doch eindeutig der rechte Arm, der diese Fehlbildung aufweist. Mir stockte der Atem! Hat er diese Fehlbildung an beiden Armen? Sie untersuchte sowohl nochmal linken und rechten Arm, zeigte uns anhand der Bilder, dass es sich definitiv um den rechten Arm handelt. Der linke sei vollkommen ausgebildet. Ich atmete auf.. ein lockerer Spruch kam noch über meine Lippen: „naja, dann wird er halt ein Linkshänder“. Wir schmunzelten endlich wieder ein wenig. Sie nahm uns die erste Angst, dass vielleicht doch mehr dahinter steckt, als das Ärmchen. Trotzdem besprach sie mit mir den weiteren Verlauf und riet mir zu einer Fruchtwasseruntersuchung. Lange Zeit zum überlegen blieb nicht. Ich war nun mittlerweile in der 23. Ssw. Ich besprach mich mit Tobi und willigte ein. Die Untersuchung lief gut, mir wurde alles genauestens erklärt. Natürlich angenehm ist es nicht, aber ich fühlte mich in guten Händen. Mein Fruchtwasser wurde nun zur Untersuchung weiter geschickt und wir durften nach Hause. Den Termin zur Auswertung hatten wir genau 1 Woche später. Mir ging es den restlichen Tag nicht ganz so gut, was mir die Ärztin aber vorher schon mitgeteilt hat. Der nächste Tag war wie immer. Irgendwie bekam ich immer ein besseres Gefühl. Ich redete sehr viel mit meinem kleinen Bauchbewohner. Jetzt hieß es dennoch 1 Woche hoffen und bangen, dass sonst alles gut ist. Die Ärztin gab uns auf den Weg mit, dass wir uns mit dem Thema befassen müssen, was wäre wenn bei der Fruchtwasseruntersuchung doch Auffälligkeiten sind. Tobias und ich hatten eine harte Woche vor uns, mit vielen Gesprächen, natürlich immer abseits von Leni. Es gab in dieser Woche wieder viele Tränen, wir waren traurig, wir fragten uns warum wir? Was machen wir, wenn der kleine Mann schwerste Behinderungen hat? Wie gehen wir mit der Situation um? Natürlich sagt jeder Außenstehende, du schaffst das schon, aber wenn du selbst in so einer Situation steckst, erst dann merkt man selbst, dass es einen die Luft nimmt, solche Entscheidungen zu treffen. Wir waren keine Menschen mehr, wir schliefen schlecht, wir hatten Albträume. Aber wir konnten langsam anfangen mit unseren engsten Freunden darüber zu reden, was unheimlich gut tat. Dann kam der Tag der Auswertung, dieser sollte auch unser Denken und Handeln verändern..

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