Jetzt müssen wir stark sein!

Der Bereitschaftsdienst nimmt alle Daten auf und schickt mich umgehend in die Notaufnahme der Klinik. Tja, da bin ich wieder! Blutentnahme, EKG, 4 Stunden vergingen, bis es hieß, sie bleiben bitte da! Es ist Sonntag Abend 20.30 Uhr. Unsere Situation momentan lässt es eigentlich so gar nicht zu. Tobias fing im April seine neue Arbeit an, er ist mitten in der Probezeit. Meine Mama ist frisch am Rücken operiert, kann sich kaum bewegen und darf vor allem auch nicht! Mein Papa, Stellvertreter vom Chef..da Chef selber krank und meine Schwiegereltern in Dänemark im Urlaub! Was nun? Dachte ich mir. Was passiert mit Leni und Leopold? Ich versuchte die Situation zu erklären, die Schwester gab mir den Rat, dass ich bleiben soll, da dringend empfohlen wird ein MRT des Schädels und eine Lumbalpunktion (Nervenwasser ziehen) zu machen. Was? Warum? Was für eine Vermutung steckt dahinter? Ich willigte ein zu bleiben. Ich zückte mein Telefon um Tobias zu erreichen. Akku alle! Typisch ich! Jetzt sitze ich hier, außer einer Geldbörse mit Versichertenkarte und leeren Handy habe ich nichts dabei. Die Schwestern auf Station ließen mich telefonieren und versorgen mich für den Abend mit dem Nötigsten. Ich konnte mir nicht mehr viele Gedanken über die bevorstehenden Untersuchungen machen, denn ich war so müde. Einen Tag soll ich bleiben hieß es.. den schaffe ich schon irgendwie.. trotzdem blieb ich die ganze Nacht über unruhig. Am nächsten Morgen konnte ich kurz aufatmen, als Tobias mir sagte, dass er Home Office machen kann, die Kinder gut versorgt sind und meine Mama mit zum gucken da ist. „Es ist ja nur ein Tag“, sagte ich noch so.. er kam am Nachmittag vorbei und brachte mir Sachen. Durch die Verordnung von Corona durfte 1 Person für 1 Stunde am Tag zu Besuch kommen. Leider durfte Leni nicht mit rein. Sie guckte von draußen mit Oma und Opa und winkte mir zu. Komische Situation! Das MRT wurde durchgeführt, jetzt heißt es auf die Auswertung warten. Die Neurologin schilderte mir den weiteren Werdegang. Scherzhaft sagte ich noch: „Na das klingt nicht nach 1 Tag!“ „Definitiv nicht, Frau Starke!“ ,lautete ihre Antwort. Ich war sprachlos, ich kann nicht länger hier bleiben. Ich machte mir Gedanken, wie kommt Leni ohne Mama zurecht? Und Leopold, er braucht doch auch meine Nähe? Schafft das Tobi mit Home Office und beiden Kindern? Haben sie was zu essen? Zieht Tobi Leni alles an für den Kindergarten? Oh man, das sind Fragen, mit denen man sich sonst nicht beschäftigen muss. Wohl oder übel mussten wir dann auch wenigstens den Schwiegereltern Bescheid geben, obwohl wir es erst nicht wollten, da sie ihren Urlaub genießen sollten. Aber es dauerte nur einen halben Tag, als ich den Anruf bekam, sie seien jetzt auf der Fähre auf dem Weg nach Hause. Genau das wollten wir doch aber nicht. Beide entschieden sich jedoch den Urlaub abzubrechen, da sie keine ruhige Minute hatten. Es ist Dienstag, die Nervenwasseruntersuchung steht an.. Schön ist es nicht, aber auszuhalten. Zumindest wollte ich ja schnellstmöglich wissen, was mit mir los ist, denn mir ging es immer noch nicht besser. Viele weitere Untersuchungen folgten. EEG, Nervenströme messen, Langzeit EKG und Blutdruck, Schwindeldiagnostik und und und.. alles dauerte bis Donnerstag. Leni verbrachte ein paar Tage bei meinen Eltern und kam jeden Abend vor die Klinik um mir zu winken. Dabei weinte sie bitterliche Tränen. Mir zerreißt es das Herz. Sie versteht nicht, warum sie mich nicht besuchen darf. Sie ist traurig, versucht aber tapfer zu wirken. Meine Eltern versuchen sie gut abzulenken. Leopold bekommt Gott sei Dank noch nichts von der Situation mit. Es ist Donnerstag, das Abschussgespräch naht. Alle Untersuchungen soweit ohne Befund. Wenn im Nervenwasser was gefunden wird, werde ich die nächsten 21 Tage telefonisch kontaktiert. Ansonsten gaben sie meiner Psyche die Schuld. Als sie mich fragten, ob ich viel Stress habe, beantworte ich die Frage mit einem klaren NEIN! Doch nicht lange danach stellte ich mir die Frage, ob es vielleicht doch im Inneren mehr Schaden bei mir angerichtet hat, als wir die Diagnose mit Leopold erhielten? Oder ob die ganzen aufregenden Untersuchungen mir doch mehr zugesetzt haben. Nach außen hin merkt man mir selten etwas an, aber vielleicht ist da drin im meinem Kopf doch etwas, was nun die Notbremse gezogen hat? Ich nahm erstmal alles so hin.. mir ging es immer noch sehr schlecht. Zu Hause machten mir die Nebenwirkungen der Nervenwasserpunktion sehr zu schaffen, höllische Kopfschmerzen, man hat das Gefühl, dass jemand am Gehirn zieht. Im Liegen ließ es sich aber aushalten. Die Nebenwirkungen dauerten 4 Tage.. dann hat sich das Nervenwasser wieder vollständig gebildet. Trotzdem war ich zu Hause weiterhin zu nichts zu gebrauchen. Dann begann der weitere Ärztemarathon. Orthopäde, Augenarzt, HNO-Arzt, Internist, Physiotherapie etc.. ich hatte einen Termin nach dem Anderen, schleppte mich von Tag zu Tag. Meine Nerven lagen blank. Ich konnte nicht mehr. Mittlerweile haben wir Ende August und alles immer ohne Befund. Doch dann kam er, der Anruf aus dem Krankenhaus. Die Ergebnisse der Nervenwasseruntersuchung seien da. Leider konnten wir nicht aufatmen..

Verliere niemals deinen Mut!❤️

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